Bericht über Essaywettbewerb und Symposium 2010

Der Deutsch-Chinesische Studentendialog 2010 – “Medien in China und Deutschland”
von Patrick Böert

Die Idee, deutsche und chinesische Studierende zu einem gemeinsamen Dialog über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und China zusammenzubringen entstand während einer internen Veranstaltung des Studentenforums im Jahr 2006. Die erste Auflage des Projekts fand im Juni 2007 statt und war in erster Linie als Begegnungsveranstaltung angelegt. In den Folgejahren wurde in 2009 (Thema: Was bedeutet eine harmonische Gesellschaft in Deutschland und in China?) und in 2010 (Thema: Die Medien – Fluch oder Segen für die deutsch-chinesischen Beziehungen?) die Veranstaltung um einen Essaywettbewerb ergänzt.

Kurzfristig möchten wir Studierende dazu anregen, kontrovers über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und China nachzudenken sowie Ideen zu entwickeln, wie diese konstruktiv genutzt werden können. Langfristig möchten wir durch die Zusammenführung qualifizierter Studierender mit deutsch-chinesischem Hintergrund einen Beitrag zu einem besseren Verständnis und einer besseren Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China leisten.

Der Essaywettbewerb 2010 – Welche Medienberichterstattung wollen wir wirklich?

Die Medien werden in der westlichen Welt gerne und häufig als Vierte Gewalt im Staate bezeichnet. Aber auch in Ostasien und im Speziellen in China ist ihr Einfluss auf die Meinungsbildung der Menschen gewaltig. Tagtäglich sehen sich Deutsche und Chinesen einer Flut an medialer Berichterstattung ausgesetzt, die Interpretationsspielräume bereits deutet und damit Meinungen prägt. Die Frankfurter Buchmesse des Jahres 2009, deren Ehrengast die Volksrepublik China war, ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie unterschiedlich Ereignisse in unseren beiden Ländern jeweils wahrgenommen werden: die Einladung regimekritischer Schriftsteller zu der Veranstaltung wurde von Teilen der chinesischen Presse als Angriff auf China bewertet. Auch im Vorfeld der Olympiade 2008 und während der Proteste in Tibet und Xinjiang kam es in den Medien beider Länder zu heftigen Diskussionen, die das Deutschlandbild in China verändert haben.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen befasste sich der 3. Deutsch-Chinesische Studentendialog im Jahr 2010 mit der spannenden und provokativen Frage: “Die Medien – Fluch oder Segen für die Deutsch-Chinesischen Beziehungen?”. Bereits im Herbst 2009 fiel der Startschuss für die erneute Ausschreibung des Deutsch-Chinesischen Essaywettbewerbes. Alle an einer deutschsprachigen Universität eingeschriebenen Studenten waren dazu aufgerufen, sich bis zum 15. März 2010 in Form eines bis zu zehn Seiten langen Essays Gedanken zur Rolle der Medien und deren Bedeutung für die deutsch-chinesischen Beziehungen zu machen. Zielgruppe für die Ausschreibung waren insbesondere deutsche Studenten mit Interesse an China und chinesische Studenten in Deutschland.

Schirmherrschaft und Jury waren erneut prominent besetzt, u.a. mit Johannes Pflug, MdB und Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe im Bundestag; Prof. Dr. Thomas Heberer von der Universität Duisburg-Essen, der sich durch seine Forschungen zu politischen Wandlungsprozessen in der VR China einen Namen gemacht hat; Dr. Jürgen Heraeus, u.a. Präsidiumsmitglied des BDI und Vorsitzender des Arbeitskreises China im Asien-Pazifik-Ausschuss (APA) der Deutschen Wirtschaft; Mark Siemons, seit 2005 China-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; Prof. Dr. Meng Hong (??), die an der Renmin-Universität in Peking Deutschlandstudien lehrt; Liu Yang (??), Designerin aus Berlin und bekannt durch ihre Piktogramm-Serie “Ost trifft West”; und Dr. Heinrich Kreft, Diplomat und außenpolitischer Berater der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag.

Die beiden ersten Plätze waren mit einem Preisgeld von je 500€ dotiert, die Zweitplazierten erhielten je 250€. Alle Gewinner wurden zudem zum Abschlusssymposium des Deutsch-Chinesischen Studentendialogs eingeladen, bei dem sie ihre Essays vorstellen durften.

Abschlusssymposium 2010 – Hochkarätige Diskussionen ohne einfache Antworten

Vom 10. – 12. Juni 2010 trafen sich die ausgewählten deutschen und chinesischen studentischen Teilnehmer sowie Mitglieder des Tönissteiner Studentenforums zum Abschlusssymposium des 3. Deutsch-Chinesischen Studentendialogs im Herzen Berlins. Teil des Programms waren Vorträge, eine Podiumsdiskussion als auch der Besuch der Studios von Deutscher Welle und ARD.

Als Eröffnungsrednerin stellte Katrin Altmeyer, derzeitige Leiterin des Pekinger Büros der Böll-Stiftung, unter dem Titel “Zwischen Kommerz und Kontrolle, Wissensvermittlung und Werteorientierung – Auslandsberichterstattung in China und Deutschland” erste Ergebnisse einer aktuellen empirischen Studie der Böll-Stiftung vor, die die jüngere deutsche Chinaberichterstattung detailliert analysiert. Der zweite Veranstaltungstag eröffnete mit einer Darstellung der von der Jungjournalistin Sophia Seiderer und dem ehemaligen Journalisten und Publizisten Jia Zhiping gemachten Erfahrungen in deutschen und chinesischen Redaktionen, u.a. bei der Nachrichtenagentur Xinhua. Im Anschluss präsentierte die Politologin Severine Arsène, Teaching Fellow an der University of Lille und zur Teilnahme aus Paris eingeflogen, unter dem Titel “The development of the Internet in China and its political consequences” ihre Forschungsergebnisse zur Rolle des chinesischen Internets.

Doch nicht nur Vorträge und Diskussionsrunden standen auf dem Programm: Die Teilnehmer besuchten auch das ARD-Hauptstadtstudio und die Fernsehstudios der Deutschen Welle in Berlin. Der Abend des zweiten Tages wurde durch eine lebhafte Podiumsdiskussion ausgefüllt, bei der die Tönissteiner Dr. May-Britt Stumbaum, Senior Research Fellow und Leiterin des EU-China-Projekts des Stockholm International Peace Research Institute, ein Gespräch zum Thema des Essaywettbewerbes zwischen Sven Hansen, dem Asienredakteur der taz, und Ban Wei, dem Chef von Xinhua Deutschland, moderierte.

Der Abschlusstag der Veranstaltung war schließlich für die Erhebung und Auswertung eines Fragebogens reserviert. Im Vorhinein war bereits ein Fragebogen entwickelt worden, der die Mediennutzung der Befragten mit ihrem Chinabild bzgl. Chinesen und der chinesischen Regierung verknüpfte. In Kleingruppen befragten die Teilnehmer 111 Passanten und werteten im Anschluss zu mehreren Teilaspekten die Daten aus. Die Ergebnisse der Analyse wurden dann im Plenum vorgestellt.

Dank

Wir danken insbesondere unserem erneuten Hauptsponsor, der Volkswagen Group China, für die finanzielle Unterstützung und sehr gute Zusammenarbeit. Außerdem gilt unser Dank der Haniel Stiftung, die einen großen Teil zur Finanzierung des Projektes beigetragen hat, der Dr. Wirth-Gruppe, die uns bereits zum dritten Mal unterstützt hat, unseren Medienpartnern e-fellows.net und dem Deutsch-Chinesischen Kulturnetz, dem Medienbotschafter-Programm der Robert Bosch Stiftung, unserem Schirmherrn Johannes Pflug sowie insbesondere den vielen Referenten und Juroren, die sich ohne Gegenleistung viel Zeit für das Projekt genommen haben.

Verantwortlich für die Organisation des 3. Deutsch-Chinesischen Studentendialogs 2010 waren Patrick Böert (Projektleitung), Mascha-Sophie Hochfeldt, Frieder Meidert, Bijan Moini, Alexander Reidiess, Stefan Schaffer, Stefan Stähle, Andrea Staudhammer, Jan-Paul Stein und Maximilian Würz.

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