Zeitungsbericht über das Symposium 2009

Erschienen in Welt Kompakt vom 06.07.2009, Seite 28.

Alle Wege führen zur Harmonie

Auch zwischen Deutschland und China? Darüber diskutierten Studenten aus beiden Ländern und Politiker bei einer Berliner Konferenz
von Sophia Seiderer

Deutschland und China können noch viel voneinander lernen. Auch in punkto Harmonie. Darin waren sich die 31 Teilnehmer auf dem deutsch-chinesischen Studentendialog am Wochenende in Berlin einig. Unter der Schirmherrschaft von Johannes Pflug, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Parlamentariergruppe, hatte das Studentenforum im Tönissteiner Kreis deutsche und chinesische Studenten zusammengebracht, um zu erarbeiten, was eine harmonische Gesellschaft in Deutschland und in China bedeutet.

Ist der Begriff Harmonie nicht mehr als eine “gigantische Blase voller heißer Luft?”, stachelte Eberhard Sandschneider, Direktor des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, die Diskussion auf dem Podium an. “Solche Blasen platzen manchmal”, sagte er. Mit ihm debattierten Schirmherr Johannes Pflug, Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat der deutschen Grünen im Europaparlament, und Professor Thomas Heberer, ein führender deutscher Chinawissenschaftler.

Eine harmonische Gesellschaft zu schaffen, ist einer der jüngsten Ziele der chinesischen Regierung. Das sei auch ein großes Eingeständnis, dass die Gesellschaft “disharmonisch” sei, sagte Heberer. Harmonie sei kein einheitlicher und schwer zu interpretierender Begriff, so Bütikofer. Das könne auch von Vorteil sein, argumentierte Sandschneider: “Genau das macht den Begriff ja so genial.” Er heißt alles und nichts. “Wenn deutsche Politiker so geschickt wären, solche Begriffe zu wählen, dann würden sie sich manchmal im Wahlkampf leichter tun,” scherzte er. Diese nicht ernst gemeinten Seitenhiebe taten der Harmonie in der Runde keinen Abbruch. Die Teilnehmer hatten prominente Unterstützung für ihr Projekt, das unter anderem von der Volkswagen Group China gesponsert und vom Studentenforum des Tönissteiner Kreises organisiert wurde. Zuvor hatten Studenten ihre Gedanken beim Essaywettbewerb eingereicht. Auf der Konferenz fand die Preisverleihung mit dem Schirmherr und der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin statt. Den ersten Preis erhielten die Studenten Liang Zhuo und Hanjo Hamann.

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